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Franz Kapfer – Der Tatenmensch

Franz Kapfer – Der Tatenmensch

Posted by contemas in News

Franz Kapfer – Der Tatenmensch

zur Ausstellung sprach Martin Prinzhorn

 

In der künstlerischen Praxis von Franz Kapfer geht es immer um eine Analyse politischer Kultur, in der die Verhältnisse von den kleinen und sehr konkreten Strukturen her aufgerollt werden und deren Abbildbarkeit auf die großen Themen wie Autorität und Unterdrückung in politischen und religiösen Systemen überprüft wird. Es sind die Symptome im Mikrobe- reich, die den Künstler interessieren, von denen aus er zu einer Gesamtheit gelangen will. Aber hier hat er eben keine Analyse von oben her versucht, sondern den alltags- kulturellen Zeichen nachgespürt, mit denen Politik und Kultur hier repräsentiert wird, bzw. wie ihrer gedacht wird. Hier gelingt es dem Künstler, durch das Aufspüren formaler Details oder weitgehend unbekannter inhaltlicher Querverbindungen Netzwerke freizulegen, die politische Ideen in ihrer Gesamtheit und das heißt vor allem auf allen unter- schiedlichen Ebenen erfassbar zu machen. Ganz in diesem Sinne erinnern auf einer formalen Ebene Kapfers künstlerische Produktionen an Bühnenbilder: Im Raum der Kunst werden sozusagen die einzelnen Requisiten in einer großen Installation zusammengetragen und so verweist dieser Raum wiederum auf Bühne und Inszenierung, genau jene beiden Begriffe, die Kapfer in seiner Analyse der politischen Verhältnisse als konstituierende Elemente begreift. Absolute Lächerlichkeit und bitterer Ernst können an keinem besseren Ort aufeinandertreffen als auf der Bühne.

Revolution und Dekoration.

”Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise be- schwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen“. Laut Karl Marx wiederholt sich Geschichte zweimal; erst als Tragödie, das zweite Mal als Farce.

Revolution und Dekoration.

Das bestimmende Bürgertum, auf eigene Identifikationsmuster und Traditionen zurückblickend, fordert Repräsentationsformen und spiegelt die fortwährende Betonung der Bedeutung des ”Tatenmenschen“.

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Foto: „Tyrannis“ und „Virus“, © Bildrecht Wien 2016

Fotos Vernissage by Niki Passath

Die Ausstellung ist zwischen 18. März – 23. April 2016 in der Sonnenfelsgasse zu sehen. 

20 Apr 2016